Richtig bewerben

Mit einer aussagekräftigen Bewerbung zum Traumpraktikum!

Ein Interview mit Dipl.-Kffr. Christine Jordan-Decker, Career Service der htw saar

(Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird jeweils nur die männliche Form verwendet, die weibliche Form ist dabei mit eingeschlossen.

Frau Jordan-Decker, was gehört zunächst alles in eine perfekte Bewerbungsmappe und welche Reihenfolge ist bei der Anordnung der Bewerbungsunterlagen zu beachten?

Zu den sogenannten „aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen“ gehören ausschließlich solche Dokumente, die auch relevant für die spätere Position sind. Dazu gehören Anschreiben, Lebenslauf sowie Zeugnisse und Nachweise, die für die angestrebte Stelle eine Rolle spielen. In dieser Reihenfolge. Auf jeden Fall sollte das Arbeitszeugnis vom letzten Praktikum oder Job enthalten sein.

Es wird immer wieder betont, dass gerade das Anschreiben den wichtigsten Aspekt einer Bewerbung bildet. Welche wesentlichen Inhalte müssen in einem Anschreiben auftauchen und welchen Umfang sollte es trotzdem nicht überschreiten?

Das stimmt. Das Anschreiben ist die Visitenkarte der Bewerbung. Es soll überzeugen und die Motivation des Bewerbers wiedergeben. Der Personaler will schon hier eine Antwort auf die Frage finden, warum gerade dieser Bewerber der Richtige für die ausgeschriebene Stelle ist. Dabei ist es wichtig, auf die Anforderungen in der Stellenanzeige einzugehen und Kenntnisse, Kompetenzen und positive Eigenschaften herauszustellen. Ist das Profil des Bewerbers nicht erkennbar oder enthält das Anschreiben nur Floskeln und Allgemeinplätze, liest der Personaler nicht weiter. Das Anschreiben muss auf einem Blatt Papier Platz finden.

Der Lebenslauf dient wiederum zur übersichtlichen Auflistung der wichtigsten individuellen Daten des Bewerbers. In Bezug darauf ist aber sehr umstritten, ob der Lebenslauf chronologisch – also mit den ältesten Daten zuerst – oder umgekehrt – chronologisch verfasst werden sollte. Was würden Sie hier empfehlen?

Der Lebenslauf ermöglicht dem Arbeitgeber den Einblick in den bisherigen Lebens- und Karriereweg. Um die zeitliche Abfolge der einzelnen Lebenslaufdaten nachzuvollziehen, ist es im deutschsprachigen Raum üblich, die Daten unter Angabe der genauen Zeiträume chronologisch zu ordnen.
Daneben ist aber auch die umgekehrt chronologische Anordnung möglich, so dass die letzte Lebenslaufstation als erster Punkt aufgeführt wird. Dieses Vorgehen empfiehlt sich vor allem bei schon längerer Berufstätigkeit, weil es den Fokus auf die letzte Station legt.
Wichtig ist die Übersichtlichkeit. Der Personaler muss die gewünschten Informationen schnell erfassen können. Inhaltlich kommt es auf eine lückenlose Darstellung des Werdeganges an. Wenn Lücken auftreten, sollten diese angemessen erklärt werden können. Auch der Lebenslauf sollte wie das Anschreiben möglichst auf die Stellenanforderungen ausgerichtet sein.

Welche Zeugnisse und Referenzen gehören zu einer Bewerbung für ein Praktikum und in welcher Reihenfolge sind diese anzuordnen?

Bei Personalern sind Arbeitszeugnisse aus vorherigen Tätigkeiten besonders beliebt. Sie interessieren meist mehr als Schulzeugnisse oder Praktikumsbescheinigungen. Wählen Sie nur Anlagen mit deutlichem Bezug zum Stellenprofil aus. Personaler haben weder Zeit noch Lust, sich mit überflüssigen Unterlagen zu befassen. Ordnen Sie die Anlagen nach ihrer Bedeutung. Je höher der Bildungsabschluss und je aktueller das Arbeitszeugnis, desto interessanter sind sie. Die zeitlich jüngsten Bescheinigungen sollten an den Lebenslauf anschließen.
Empfehlungen und Referenzen können Türen öffnen. Entscheidend ist die Reputation des Befürworters und seine Beziehung zum Bewerber.

Bestandteil einer Bewerbung ist auch immer ein Bewerbungsfoto. Aber wohin gehört das Foto in der Bewerbungsmappe?

Eines gleich vorneweg: Bewerbungsfotos sind seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland keine Pflicht mehr. In der Praxis will die Mehrzahl der Unternehmen auf ein Foto nicht verzichten. Es empfiehlt sich daher, den Unterlagen ein professionelles Bewerbungsfoto beizulegen.
Klassisch wird das Bewerbungsfoto auf dem Lebenslauf oben rechts mit Montagekleber oder Fotoecken, die man problemlos lösen kann, angebracht. Idealerweise ist der Kopf auf dem Foto leicht gedreht, damit der Bewerber nicht aus dem Blatt herausschaut. Ist ein Deckblatt vorhanden, kann das Foto mittig oder im oberen Drittel befestigt werden.

Währendessen rückt auch immer mehr das Thema „Online-Bewerbung“ in den Vordergrund. Wie hoch schätzen Sie persönlich die Bedeutung der Online-Bewerbung im Vergleich zur „klassischen“ schriftlichen Bewerbung ein? Wann empfiehlt sich überhaupt eine Online-Bewerbung?

Die Online-Bewerbung hat sich mittlerweile bei vielen insbesondere großen Unternehmen gegenüber der klassischen postalischen Bewerbung durchgesetzt.
Der Begriff Online-Bewerbung bezeichnet alle Bewerbungen, die via Internet versendet werden. In der Regel steht in der Bewerbungsprozedur der Stellenanzeige, ob eine Bewerbung postalisch oder online versendet werden soll. Oft wird von den Unternehmen ein Online-Formular für die Bewerbung zur Verfügung gestellt.

Wenn eine Online-Bewerbung nun im konkreten Fall in Frage kommt, welche Besonderheiten sind dann zu beachten?

Laut einer StepStone-Umfrage bemängeln 45% der Unternehmen die geringe Sorgfalt, mit der Online-Bewerbungen erstellt werden. Dabei sind es immer wieder die gleichen Punkte, die Personaler beklagen: Zu viel Datenvolumen, schlechte Formatierungen und schlampig erstellte Informationen.
Die Bewerber sollten unbedingt darauf achten, dass bei einer Online-Bewerbung die gleichen Standards wie bei einer schriftlichen Bewerbungen gelten. Da Sie eine Datei nicht unterschreiben können, empfiehlt es sich, Ihre Unterschrift einzuscannen. Je mehr Dokumente Sie Ihrer E-Mail beifügen, desto größer wird die Mail und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Mail die maximal zulässige Dateigröße überschreitet. Als Dateiformat eignet sich das PDF-Format besonders, da PDF-Dateien bei jedem gleich angezeigt werden und ein geringes Datenvolumen haben. Ihrer Mail sollten Sie ein PDF mit Anschreiben und Lebenslauf und ein zweites mit Zeugnissen und Beurteilungen anhängen.
Einige Bewerber verwenden leider immer noch kuriose E-Mail-Adressen, wie „Supermann@krypton.de“. Als Standard eignet sich am besten die Form Vorname.Nachname@Provider.de.

Was können Sie abschließend Studierenden noch empfehlen, die sich weitergehend über das Thema „Bewerbung“ informieren möchten?

Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, sich im Vorfeld intensiv in einer Art persönlichen Inventur mit seinen Stärken und Schwächen auseinander zu setzen und die mittelfristigen persönlichen Ziele zu klären. Außerdem sollte man immer eine neutrale Person die Bewerbung lesen lassen, damit keine unverständlichen Formulierungen oder – noch schlimmer – Rechtschreibefehler drin sind.
Hinweise auf formale Gestaltungsrichtlinien findet man im Internet in jeder Jobbörse. Ich empfehle prinzipiell keine Literatur, denn die Bewerber laufen Gefahr, mit einer Musterbewerbung das persönliche Profil zu verwässern. Versetzen Sie sich in die Rolle der Personalverantwortlichen, um herauszufinden, welche Angaben für eine Bewerbung relevant sind. Wenn ein Anschreiben nach der Struktur: „Ich bin …, ich kann …, ich will …“ konzipiert wird, ist das als Richtschnur völlig ausreichend. Wichtig ist, dass das Profil, nämlich das, was den Bewerber für die Stelle qualifiziert und wie es sich von anderen Bewerbern abhebt, aus der Bewerbung klar hervorgeht.